Mit dem Rad von Düsseldorf nach Mallorca

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2017: Düsseldorf – Mallorca (2000 km) | „Auf der Spur der Tour de France“

– Kurzfassung –

Der Fahrrad-Freak und bekennende Radsport-Enthusiast Andreas Schäfers startete am 07.07.2017 mit seinem Trekking-Rad die „Verfolgung“ des Tour de France-Trosses durch weite Teile Frankreichs, um dann am 26.07.2017 die Nachtfähre von Barcelona nach Mallorca zu erreichen. Um sich diesen Radlertraum – der ihn durch 5 Länder und über 5 Gebirge führte – erfüllen zu können – bedurfte es einiger Voraussetzungen. Fitness, Biss, Glück, Ausrüstung und nicht zuletzt guten Wetters.

Warum tut man sich so etwas an?

Die scherzhafte Antwort wäre: „Na ja, den Rückflug hatte ich bereits gebucht … !“

Für den Ausdauerathleten war es die bisher 4. Fahrt mit dem Velo ans Mittelmeer, davon 3 mal mit Start der Heimatstadt Düsseldorf.

Der Reiz und das Verlangen, es mit 52 Jahren sportlich noch einmal wissen zu wollen, liegt für den passionierten Touren- u. Wettkampffahrer in der Faszination der Landschafts- u. Klimaveränderungen im Laufe einer solchen Reise. Außerdem muss man echte Freude am Radfahren mitbringen.

Sein Weg führte ihn erstmals über das Hochgebirge Pyrenäen. Davor waren es immer die Alpen.

Frankreich ist Deutschlands flächenmäßig größter Nachbar mit einmaligen Naturlandschaften und reizvollen Städten. Seine Route führe führte ihn über die Eifel, das deutsch-luxemburgische Grenzgebiet bis an die große Saarschleife nach Orscholz.

Vom Saarland ging es die Saar flussaufwärts gen Süden, teils entlang wunderschöner Kanäle mit Hausbooten und Binnenschiffen. Eine Landschaft aus der Perspektive des Flussniveaus zu erleben ist etwas ganz anderes als von einer „Route Nationale“.

Die Nutzung diese galt es tunlichst zu vermeiden. Es gab genügend kleinere schwächer befahrene Nebenstraßen und mancherorts auch Radwege (bspw. „Via Rhona“).

Ein qualitativ hochwertiges Tourenrad ist ein unverzichtbarer Bestandteil einer solchen Tour. Gleiches gilt auch für die Packtaschen und anderweitiges Zubehör. Mein Gudereit LC-60 ließ mich zu keinem Zeitpunkt im Stich. Ganz besonderer Dank gilt daher dem Fahrradhaus Garath. Radhändler Meisenbach ist der „Schrauber meines Vertrauens“.

Von der Saar führte ihn sein Weg durch das Burgund vorbei an Lyon bis nach Vienne ins Rhonetal. Die Rhone ist zwar kein besonders langer Fluss, jedoch präsentiert sie sich breit und mündet dann im Carmarque-Delta ins Mittelmeer.

Immer wiederkehrende Schmerzen in den Füßen und an der Achillessehne zwangen den Radler zur Tempodrosselung und Routenänderung. Die mit Abstand größte Herausforderung seiner Unternehmung stellte allerdings nicht das Überwinden der Gebirge (Eifel, Saargebirge, Cevennen, orientalische Pyrenäen, Montage de serrre Montseny) dar, sondern der auf 3/4 der Gesamtstrecke vorherrschende teils sturmartige Gegenwind. Dieser erzwang zweimal eine Änderung des geplanten Routenverlaufs und ein vorzeitiges Verlassen des Massif Centrals.

Böen und Gegenwind bei teils deftigen Steigungen (mit Gesamtgepäck zwischen 31 und 26 kg) können einen Radfahrer an den Rand der Verzweiflung bringen.

Die wenigen Tage mit Windstille oder gar Rückenwind versüßten im Nachhinein des Radlers Glück und entschädigten für alle Strapazen und Widrigkeiten.

Als die Weiterfahrt nach Katalonien bis hin zum Hafen Barcelonas verletzungs- und unfallfrei gelang, waren alle Anstrengungen vergessen und der 2tägige „Langzeiturlaub“ auf des deutschen liebsten Eilandes (Mallorca) durfte beginnen.

Die Hilfsbereitschaft und Gastfreundschaft entlang der gesamten Route (5 Staaten) war länderübergreifend spürbar und hinterließ eine nachhaltige Prägung und regte zum Nachdenken an.

Sobald es Zeit und Geld erneut zulassen, wird Andreas Schäfers erneut mit seinem Drahtesel in die weite Welt aufbrechen, immer mit dem Ziel Neues zu entdecken und die wahren Schönheiten dieser Erde wertzuschätzen.

Wer Interesse an der ausführlichen und detaillierten Geschichte (Reisebericht) hat, kann sich gerne mit dem Autor in Verbindung setzen.

Ausschnitt aus meinem Buch: „Mit dem Rad von Düsseldorf nach Mallorca (2000 km)“

 

12. Kapitel – Ruhetag|Im Bann der Tour de France (Bergetappe)

Etappe 12, Dienstag, 18. Juli 2017 (RUHETAG)

Fußmarsch (Hin- u.zurück = 10 km) vom Hotel Vivarais (Lalouvesc) zum Col du Rouvey (1244 m ü. NN).

Streckenlänge:0,00 km (bisher kummuliert 1085,78 km)
Durchschnittsgeschwindigkeit (ohne Pausen):17,12 km/h (ab sofort auf die Gesamtstrecke bezogen)
Maximalgeschwindigkeit:0,00km/h
reine Fahrtzeit:0 Std. / 63:13 (kummulierte bisherige Gesamtzeit)
Aktivitätszeitraum (immer inkl. Pausen):10.00 – 20.00 Uhr / 0 Std.
Höhenmeter:0 m / bisher 8186 HM

Wetter: Trocken, sonnig, heiß, blauer Himmel. So muß ein Sommerurlaub sein!

Auch ich bin lernfähig. Kurzerhand beschließe ich nach 10,5 Tagen im Fahrradsattel, analog zum gestrigen „Ruhetag“ bei den Profis de Tour de France, selbst einen solchen einzulegen.

Meinen geschundenen „Baustellen“ am Körper wird diese Pause nur gut tun. Die mütterliche Hotel-Chefin bietet mir zwar ein größeres und komfortableres Einzelzimmer für die zweite Nacht an, ich lehne aber aus zweierlei Gründen ab.

Erstens möchte ich nicht umräumen und zweitens hätte sie dann wesentlich

mehr Arbeit. Dusche und Frühstück sind wohltuend. Heute werde ich mein Velo nicht anrühren.

Die Fahrer des weltweit bekanntesten Radrennens werden live an mir vorbeirauschen, mit allem was noch an Vorfreude und Stimmungen dazugehört.

Dieses Ereignis werde ich niemals vergessen. Alle Mühen, jegliche Anstrengung und sämtliche Zipperlein sind verflogen.

Bisher bewunderte ich die Tour 1992 (Koblenz) und 2005 (Baden-Baden), aber noch nie im Kernland Frankreich, geschweige denn bei einer echten Bergetappe.

Man muß schon ziemlich verrückt sein, wenn man sich 1100 km durch 4 Länder bewegt um letztlich für rund 5 Minuten das Peloton (Hauptfeld) und eine paar Splittergruppen und nebst einigen abgehängten Fahrern passieren zu sehen.

Aber das Tour-Fieber hat man, oder eben nicht. Geschürt wird das Feuer der Radsport-Verrückten schon im Vorfeld durch die immense mediale Berichterstattung, aber auch durch die Werbekaravane vor Ort. Lautspecherdurchsagen, wildes Gehupe, Musik und die gespannte Stimmung und die Begeisterung der aus allen Landesteilen angereisten Fans inklusive ihrer Wohnmobile, Zeltstätten und allerorten kreativen künstlerischen Hinterlassenschaften tun ihr Übriges. Obwohl mich heute der einzige Ruhetag meine Tour entspannt aufstehen lässt, stehen wichtige Erledigungen auf meinem Programm. Einem geruhsamen Frühstück folgt leider kein gemächliches Herumstreunen entlang der Radrennstrecke (diese verläuft übrigens direkt am Hotelausgang), sondern der Gang auf mein Zimmer.

Dort muss ich mich zunächst um die Korrespondenz mit der Rheinischen Post kümmern und die Freigabe zur Veröffentlichung des Zeitungsberichtes zu geben. Desweiteren verfasse ich noch einen kl. Rückblick auf die erste Hälfte meiner Tour und einen Ausblick auf meine weiteren Vorhaben im zweiten Teil meiner Reise. Das Tippen auf dem Smartphone ist mühselig und zeitaufwändig. Dennoch bin ich glücklich, dass mir diese tolle Technik gute Dienste leistet.

Der Versand meiner hochwertigen Fotos (von der Spiegelreflex-Kamera) gelingt mir (vom Tablet) nicht, so dass ich nur Handy-Fotos via Smartphone versenden kann. Den gesamten Vormittag verbringe ich mit dem Foto-Transfer auf das Tablett. Einige Grundeinstellungen wurden nach dem Einbau eines neuen Akkus verändert (= verschlechtert). Nun ist alles extrem umständlich und sehr zeitaufwändig.

Die weitere Datensicherung auf der größeren Speicherkarte meines Tablets verschlingt reichlich Zeit.

Der organisatorische Part aus meinem „Hotel-Büro“ dauert so lange, dass ich mich sputen muss, um endlich zur Paßhöhe aufbrechen zu können.

In knapp 2 Stunden wird die „Tour“ hier am Hotel vorbeirasen. Die Hauptstraße Lalouvecs ist durchgängig geschmückt. Hunderte von Zuschauern und Fans säumen die Straßenränder. Barrieren und Markierungen werden dem Peloton (Hauptfeld) den Weg weisen.

Um die Tour nicht zu verpassen, beende ich das Tüfteln am Tablet und begebe mich zu Fuß in Richtung der 5 km entfernten Passhöhe. Für Radfahrer ist die Straße längst tabu. Fotografisch ist das Szenario ein Leckerbissen mit einer schier unglaublichen Motivvielfalt. Die 5 km bergauf ziehen sich ungemein und ich muß teilweise joggen. Petrus meint es gut mit der Radsportgemeinde. Es ist Kaiserwetter, mit azurblauem Himmel, ohne jegliche Schwüle.

Die Werbekarawane kommt mir bereits lautstark entgegen. Etliche Teamfahrzeuge, technische Fahrzeuge, die Gendarmerie, Krankenwagen, Motorräder bilden das Bindeglied zwischen den Werbefahrzeugen und den Rennfahrern.

Auf der Paßhöhe werden die Fahrer 65 km zurückgelegt haben, 100 km stehen  ihnen dann noch bevor. Und ich bin heute „fahrradfrei“ ! Je nach Tempo erwartet man die Führungsgruppe zwischen 15.03 und 15.11 Uhr am Col du Rouvey.

Vor lauter Fotomotiven komme nur schleppend voran. Da ich gut 100 Höhenmeter hinauf muss, jogge ich in den Passagen an denen ich nicht fotografiere.

Überall säumen Wohnmobile, Pkw´s, Zelte, Sonnenschirme, Strandmuscheln und eine Vielzahl künstlerischer Sympathie-Bekundungen die Landstraße. „Allez Bardet“ ist nur eine der vielen Anfeuerungen frz. Tour-Fans. Thomas Vöckler fährt seine letzte Tour. Große Namen des Radsports zieren an vielen Stellen den Asphalt. Das ansonsten einsame Gebirge ist ein Lindwurm der Begeisterung und Vorfreude. Alle Zuschauer sind bester Laune und in gespannter Erwartung ihrer Idole. Die Zusammensetzung der Zuschauer besteht größtenteils aus Franzosen. Belgische, niederländische und britische Fans begegnen mir auch. Lediglich um die deutsche Fraktion ist es schlecht bestellt. Ich kann keine Landsleute ausfindig machen.

Als dann endlich der Helikopter die nahende Spitzengruppe ankündigt, überkommt mich ein Gänsehaut-Feeling. Mir schnürt es die Kehle zu und ich vergieße einige Freudentränen. Solche Gefühle kann man einem eingefleischten Autofahrer wohl kaum vermitteln.

Um keine Szene fotografisch zu verpassen fahre ich visuell 3gleisig. Meine Augen haben alles unter Kontrolle, die GoProHero-Miniatur-Filmkamera sitzt mit dem Kopfgurt auf meiner Stirn und die Spiegelreflexkamera befindet sich an meinem rechten Auge im Anschlag.

Es existieren einige Zuschauergruppen im Look des gepunkteten Trikots (= Bergtrikot). Außer auf den Schultern des Gesamtführenden Frooms im berühmten „Maillot jaune“ , erblicke ich das gelbe Trikot unter den Fans nur einmal.

Als der „Tete de la course“ (Spitzengruppe) mit 4-6 Fahren den Strich der Bergwertung (hier gibt es sog. Bergpunkte) erreicht, beginnt die Stimmung zu sieden.

Das ganze Spektakel vollzieht sich (obwohl die Fahrer an der Bergkuppe verhältnis-mäßig langsam fahren) in Windeseile. Zunächst prescht ein Vorausfahrzeug vorweg, gefolgt von zwei Polizei-Motorrädern, dann dröhnt der Helikopter über den Köpfen der Zuschauer. Es folgt erneut eine doppelstreifige Motorrad-Escorte, dann die unüberhörbar jubelnde Menge und das Hand-Trommeln auf den Seitenballustraden entlang der Paßhöhe. Von den 198 Fahrern umfasst das sog. Hauptfeld etwa 130 Fahrer. Die langsamere Phase wird von etlichen Fahrern zur Entgegennahme von Trinkflaschen genutzt oder zum Schließen der Trikot-Reißverschlüsse. Das Hauptfeld umfasst das Gros aller Fahrer. Erst beim nachträglichen Betrachten meiner Fotos, vermag ich einzelne Radstars auszumachen.

Der Spuk ist rasend schnell vorbei. Glücklicherweise gibt es einige Nachzügler, so dass der Genuss der Vorbeifahrt noch ein wenig hinausgezögert wird.

Für mich (und die meisten anderen Radsportenthusiasten) dürfte der Strom der Straßenhelden nicht abreißen und könnte gerne Tausende von Pedaleuren umfassen.

Ein frz. Familie mit Freunden aus Puy en Velay (Etappenstart) diente mir mit etwas 12 Mitgliedern (alle in Punkte-Trikots) als passendes Fotomotiv und erhalten als kleines Dankeschön ein paar Bilder per Email.

Langweilig wird es an einem Tag wie heute nie. Bedingt durch einen Unfall auf der Strecke (kein Radfahrer) kommt es beim Auflösen der Fahrzeug-Kolonnen zu einem Stau bzw. absoluten Stillstand.

Dies beschert mir eine unglaubliche Vielzahl phantastischer Fotomotive und  genussvolle Ruhe auf 3/4 des 5 km langen Fußweges ins Hotel, den ich gemütlich und ohne störenden Autoverkehr zurückzulegen kann.

Ein Ehepaar lädt lässt mich an ihrem Picknick teilhaben und schenkt mir bereitwillig Nachmittags-Kaffee aus.

Im Hotel angekommen gibt´s von einer lustigen Fangemeinschaft Freibier für den Radler aus Allemagne. Schnell noch 1 Brot eingekauft (5,– EUR !) und ab ins Zimmer.

Das abendliche Menü im Rahmen meiner Halbpension lässt keine Wünsche offen. Vorsuppe, Ente, Dessert und und und (ich habe es vergessen …) Alles ist äußerst schmackhaft.

Gut gesättigt begebe ich mich in mein Zimmer, um wieder meine Speicherkarten von etlichen Fotomotiven zu erleichtern. Die Müdigkeit steigt minütlich. Nun bin ich hin- und hergerissen. Einerseits gehöre ich ins Bett. Andererseits ist es sternenklar, die Nacht wird mondlos sein. Es ist wolkenlos, einigermaßen windstill und ich habe mir für viel Geld extra für die Sternenfotografie ein Ultraleicht-Stativ aus Carbon für diese und spätere Touren zugelegt.

Also raffe ich mich auf und ab geht es zur Milchstraße. Mir gelingen einige Aufnahmen, meine Energie reicht leider nicht mehr aus, um für mein Vorhaben bis 3 Uhr früh durchzufotografieren. Sternenfotografie bedarf eines ausreichenden Schlafes und sehr viel Zeit. Dennoch bin ich begeistert und trete zufrieden den Heimweg an.

Anbei noch ein kleiner Hinweis für alle Fotofreaks: Aufgrund der sportlichen Anforderungen dieser Radtour ist eine professionelle Fotoreportage in der sonst üblichen Qualität nicht permanent realisierbar.

Ein restlos zufriedener Andy fällt platt und glücklich in den Schlaf.“